Unser letzter Tag

Heute werden wir erst um 15:00 abgeholt, um zurück nach Marrakech zu fahren. Weil unser Flug morgen recht früh geht, verbringen wir dann noch eine Nacht in unserer Start-und Zielstadt, nur in einem anderen Hotel. So überlegen wir uns, was wir mit dem angerissenen Tag noch anfangen sollen und meine beiden sind dafür, die Zeit bis zur Zimmerräumung (mittag) noch zu "chillen" und danach noch einen Einkaufsbummel anzuschliesssen. Ich brauch auch noch ein paar Sachen und bin einverstanden, aber muss dann doch in der ärgsten Hitze ein bisschen leiden unter der komischen "Effizienz" meiner Mitreisenden. Komischerweise sind die Leute im Souk schon an uns gewöhnt oder es ist ihnen auch zu heiss, sie sind kaum lästig manchmal hab ich das Gefühl, sie kennen uns schon und wir gehören schon dazu zu ihrer Nachbarschaft o.O Gerade hier, wo die menschen so eng zusammenwohnen, ist auffällig, wie wenig Anonymität es gibt, jeder kennt jeden im Viertel und kümmert sich um den anderen (generationenübergreifend, aber geshlechtergetrennt). Das Strassenbild ist eindeutig maskilin dominiert, nur abends sieht man auch Frauen mit allen Kindern, besonders am Platz am Hafen vor dem Stadttor, wo sich das pure Leben abspielt

Naja, heute abend nicht mehr für uns, jedenfalls nicht mehr in Essa. Die Hoteldame gibt uns gerade bescheid, dass unser Taxifahrer vor der Stadt auf uns wartet, der Boy schnappt sich seinen Karren und unser Gepäck und wir starten in die letzte Etappe, schon ziemlich im Reisefieber, aber auch in Vorfreude auf Daheim. Schon sehen wir "unser" Auto von weitem und davor einen Typen, der aussieht wei M - oh, es ist wirlkich M! wir freuen uns sehr, ihn unerwatret wieder zu sehen und er sagt auch, dass er uns morgen um 6:00 zum Flughafen bringen wird. Aber zuerst mal kurven wir auf die Autobahn ins Landesinnere. T grinst breit und freut sich über die "richtige Strasse" ungeachtet der Eselskarren am Mittelstreifen, wo unsere Mittelleitplanke ist, oder mehrerer Kreisverkehre mittendrin. Irgendwann wird die "Autobahn" dann auch wieder einspurig und bedeutend mühsamer, aber dann taucht sie doch auf, die "Rote" - während wir uns jetzt im Tageslicht nähern, kann man gut erkennen, warum Marrakech so heisst: alle Häuser schimmern rosig im Abendlicht. Kurz bevor wir da sind, beginnt M noch ein komishes Gespräch über das Trinkgeld, das er von uns erhalten hat, als wir meinten, ihn das letzte mal zu sehen. Irgendwas passt da nicht und könnte peinlich werden, aber wir werden es morgen klären Jetzt kündigt er uns jedenfalls telefonisch in unserem Riad an, das wieder in der Medina, in der Nähe von "la place" liegt. Ganz wohl ist uns nicht dabei, wir sind einfach schon zu erschöpft für ein neues Abenteuer im bekannten Gewühle. Wenigstens ist es nun nicht mehr so heiß, wie bei unserem ersten Aufenthalt. Unsere Unterkunft ist ziemlich klein und sehr sauber, unser Vermieter ein Franzose, der perfekt englisch spricht - nur leider so viel, dass ich nicht mehr aufnahmefähig bin Uns hängt der Magen in den Kniekehlen und wir hören nur "Restaurant" - und "la place", aber da wollen wir heute garantiert nicht mehr hin, morgen müssen wir ja mit dem Muezzin raus (ist viel früher als die Hühner bei uns^^). Die Schlangenbeschwörer-Musik wird sowieso mit dem angenehmen Abendwind bis auf unsere Dachterasse getragen So entscheiden wir uns für die gemütliche Variante und lassen uns abends von unserem sehr bemühten Gastgeber in ein entzückendes französisches Restaurant führen, denn von marrokanish haben wir wirkich schon genug gehabt. Da feiern wir drei einen genüsslichen, herrlichen Urlaubs-Abschluss, fren von dem ätzenden Mofa-Getöse durch die engen Gassen hoch über den Dächern im Abendwind. Ich liebe diese fantasievolle und kraetive Art ihrer Küche und komme (endlich!) zu meiner lang ersehnten Creme brulee^^ Sogar T  probiert etwas Neues und schmilzt dahin vor Genuss: unere Naschkatze hat Lemon-Tarte mit Meringue probiert und ist ihr hoffnungslos verfallen^^ Die Kellner sind sehr kinderlieb - am Nachbartisch räumen grad zwei Mädels den Tisch ab, obwohl "mama et papa manger" wollen Ich hab echt noch nie so aufmerksame Bedienung genossen: die einzige völlig zerwutzelte und angepatzte Serviette an unserem Tisch (ähmmmm...meine) tauscht er nach kurzem Stutzen so rasch und dezent aus, dass wir uns alle drei vor Lachen den vollen Bauch halten und beim Runtergehen durchs enge steile Treppenhaus achten sie noch drauf, dass wir uns nicht den Kopf anhauen^^ Kurz und gut, ein sehr gelungener Abend, wir haben unsere Dirham so gut wie aufgebraucht und bekommen noch einen Vorgeschmack auf morgen: wir wohnen nämlich nicht neben einer Moschee, sondern zwischen 4 oder 5 glaub ich: einer beginnt, dann stimmen alle in sämtlichen männlichen Tonlagen mit ein, bis es ein dichter, holperiger Klangteppich wird, verstärkt von dutzenden Lautsprechern und den baulichen Gegebenheiten...gute Nacht!


23.6.14 21:33

Letzte Einträge: Von der Wüste zur Oase, Über die Berge, Ans Meer, Unser Erholungstag, nach hause - zu hause

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