Ans Meer

Nachdem uns M wieder pünktlich abgeholt hatte fuhren wir durch die fruchtbare Sous-Ebene erstmal bis Agadir, wo wir das erste mal das Meer sahen. Dort gab es erstmalig etwas, das wir sehr gut kennen, nämlich sehr viel Verkehr und Stau Dann ging es nach Norden, die Küste entlang. Wir sahen viele Bautätigkeiten, ganze Ortschaften wurden neu an die Küste gepflastert, aber dann auch wieder sehr einsame, steinige, steile und wilde Abschnitte, die aber teilweise sehr individuell genutzt wurden und deshalb leider auch ziemlich vermüllt waren. Trotzdem keimte lamgsam der Wunsch auf, auch einer von den unkomplizierten Wildcampern - und Badern zu sein, um endlich in den blauen Wellen des Atlantiks zu versinken. Aber unser nächstes Ziel Essaouiria war noch sehr weit entfernt - ca. 150 km durch Bergland, in dem es nur Arganbäume, die dazugehörigen Ziegenherden und ein paar Dörfer gibt. Leider gibt es in ganz Marokko glaub ich keinen einzigen Tunnel, jedenfalls nicht auf unseren über 1600km und so muss T wieder leiden und bekommt deshalb ihre Medizin, sie ist auch pychisch nicht so ganz auf der Höhe. Die ständigen Abschiede, sobald sie sich an Etwas gewöhnt hat, machen ihr zu schaffen. Ich bewunsere sie sowieso, wie schnell sie sich wo eingewöhnt, zurechtfindet und sogar Kontakte shliesst o.O Und so kommen wir ziemlich mitgenommen in Essaouiria am Atlantik an, und als M uns am Beginn der Medina (Altstadt) aussteigen lässt, bekommen wir mit, dass das auch unser Abschied von ihm ist In zwei Tagen fährt uns jemand anderer zurück nach Marrakech. Ich mochte ihn sehr, unseren fröhlichen und freundlichen Berbersohn der Wüste. Er wusste immer, was grad „dran“ war und ich habe viel von ihm gelernt, vor allem etwas Mut glaub ich und in der richtigen Art und Weise für jemanden da zu sein. Er hat seinen Job gut gemacht uns uns sein Land näher gebracht, wir hatten immer Vetrauen zu ihm und ich fühlte mich sehr sicher. Aber seine Musik werde ich nicht wirklich vermissen Unser luggage-boy rennt mit dem Karren voller Gepäck wieder mal durch verwinkelte Gassen, wir können uns nicht merken, wo er wie abbiegt, sind aber bald in unserem Stadthotel, genau an der Stadtmauer, genau über dem Meer, das gegen eine felsige Landzunge darunter tost. Man hört und riecht es im Foyer des Hotels,obwohl man es noch nicht sehen kann, aber für solche Feinheiten ist T nicht mehr zugänglich. Sie ist komplett fertig, der nächste Nervenzusammenbruch bahnt sich an. Auch R wirkt nicht mehr recht frisch, das einzige, das ihn noch aufrecht erhält ist die Sichtung von Pizza unterwegs - es ist nur die Frage, ob wir die wiederfinden. Denn Poulet au citron (oder überhaupt Hähnchen ...) hängt uns schon sooo zum Hals heraus, vor allem mit Rosinen und Backpflaumen...Nachdem meine beiden jeder eine Runde gepennt haben, machen wir uns auf und geniessen wieder mal etwas europäischeres Essen. Unser Hotel hat im vierten Stock eine herrliche Dachterasse und unser Zimmer geht auch zum Meer hinaus, doch in der Medina ist es eben üblich, dass jeder/ Neue/ Touri angeredet wird und das ist (bes. für T, aber auch für R) sehr anstrengend. Und so kommt es, dass ich, inzwischen auch ziemlich runter mit meinen Neven (nachdem ich immer alle wieder aufbauen muss) alleine unter dem Sternenhimmel auf dem Diwan der Dachterasse liege und vor mich hin sinniere: was man anders oder besser machen hätte können auf dieser Reise. Dass es echt gut tut, mal ein paar Minuten für mich allein zu haben. Dass es aber noch schöner (und romantischer) wäre, jetzt nicht allein zu sein. Kurz gesagt, ich wusste selber nicht, was ich wollte - und dann war er plötzlich bei mir mein Schatz, kuschelte sich zu mir aufs Sofa und wir beschlossen gemeinsam, zukünftige Reisen nur noch mit minsestens 50% stay-time zu planen, um nicht unsere freien Minuten zählen zu müssen. Manchmal können auch gute Dinge einfach zuviel sein. Um T wieder ein bisschen Wind unter den Flügeln zu verschaffen, verspreche ich ihr eine besondere Überraschung für morgen

 

22.6.14 15:17

Letzte Einträge: Von der Wüste zur Oase, Über die Berge, Unser Erholungstag, Unser letzter Tag, nach hause - zu hause

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