Wüstenankunft

Wie immer zieht T erstmal los um das Hotel zu entdecken (und vor allem WIFI aufzutreiben) und wir versuchen uns etwas frisch zu machen um die Hitze besser zu ertragen. Der Schock ist gross, als aus der Dusche aus jedem Hahn so knallheisses Wasser kommt, dass wirklich akute Verbrühungsgefahr besteht! Der nächste Schock kommt, als ich

mir denke: „es wird immer finsterer...“ und die Vorhänge aufmache: der Himmel ist weg! und die Erde! und die Autos am Parkplatz! oh nein: noch mehr schock: und unser Kind!!! Gerade als R meint, sie findet bestimmt einen Unterschlupf! reisst sie total aufgeregt die Tür auf und stürmt herein: „Da ist voll der Sandsturm draussen!“ ach nee... wir kleben am Fenster, schiessen Fotos und sind so froh, alle in Sicherheit zu sein! aber nach einer Zeit des Beobachtens was da draussen so los ist, fängt die Situation (vor allem für mich, S) an, sehr unangenehm zu werden: ständig fällt der Strom kurz aus, bis er schliesslich ganz wegbleibt: die Klimaanlage steht still!

Im abgeschlossenen Raum hat es 35 Grad und ich spüre eh schon länger meinen Kreislauf. Mir bleibt nichts anderes zu tun, als leidend schwitzend (und vielleicht ein bissi panisch) am Bett zu liegen und meine grosse Tochter zu bewundern, die souverän mit den anderen Touris und Hotelleuten auf der höchsten Dachterasse stand und bis zum letzten fotografiert hat: die Walze, die über das Dorf rast und sich aufs Hotel zubewegt (bis zum esten Turm), einen Menschen, der dem Sturm davonlaufen will (in Richtung Hotel) und einfach dabei überrollt wird, die Kamele vor dem Hotelzaun, die einfach stoisch stehen oder sitzenbleiben....sie steht voll unter Adrenalin! Und ich hab einfach nur Angst, wie beim Herfahren schon - durch diese einsamen Weiten, woher kommt da Hilfe? Was wäre, wenn wir heute schon, jetzt, mit den Kamelen draussen wären? Nun starten zwei Jeeps galub ich eine Such-oder Einsamlelaktion von Verschollenen (auch M ist dabei) und ich krepier fast, bin schon total zittrig und krieg in der heiss-stickigen Bude fast keine Luft mehr. Wie lange dauert denn sowas? Und wir sind in unserem Turm einsam vom Haupthaus entfernt! Jetzt ist es draussen endlich kühler durch den Sturm, aber man kann kaum auf den Balkon, weil dieser feine Sand überall hinkommt (sogar zwischen die Zähne, obwohl man den Mund zu hat) und hier drin haben wir auch schon eine private Düne, obwohl alles zu ist. Als es langsam (nach ca.1,5 Stunden) Abendessenszeit wird, wagen wir den Ausfall (ich muss endlich raus hier!): die neu gekauften Turbane werden um die dazugehörigen Köpfe geschlungen, die Augen halb zugekniffen und auf geht`s 20 m über den Hof bis zur Rezeption, wo schon andere Zuflucht gesucht haben. Man sieht, dass die Hiesigen überhaupt kein Problem mit der Situation haben und schon fühle ich mich ein bisschen ruhiger und sicherer. Auf meine Frage, wie lange sowas dauert, bekomm ich gleich den nächsten Schock: wenn er von Norden kommt, ein paar Stunden, wenn er von Süden kommt, auch eine Woche :/ o.k., dieser kam von Norden und wirklich wird es langsam ruhiger, während wir eine kalte Kleinigkeit abendessen, mit Kerzenbeleuchtung, weil der Strom noch weg ist. kurz vor Sonnenuntergang zerrt uns T noch auf die Dachtersse, von wo ihre Krisenregion-Fotos kommen und wir sehen die Sonne wieder, klar und ruhig hinter einem bunten Wolkenschleier versinken. Jetzt ist es Zeit für einen Berberwhiskey (schwarzer Tee) auf der angenehm kühlen Terasse vor dem Hotel und meine Nerven beruhigen sich langsam wieder

 

17.6.14 14:18

Letzte Einträge: Von der Wüste zur Oase, Über die Berge, Ans Meer, Unser Erholungstag, Unser letzter Tag, nach hause - zu hause

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