Unser Erholungstag

In Essaouiria bleiben wir zwei Nächte, das heisst, wir müssen endlich mal nicht in der Früh die Koffer packen und zu einer gewissen Zeit fertig sein Aber ich glaube, ich höre und sehe nicht recht: T steht plötzlich wie der Phönix aus der Asche da und sagt: „Was ist los? Auf geht`s!“ Ich hätte shon gerne wenigstens einmal länger geschlafen §grummel§ Als wir dann doch auf der Dachterasse im vierten Stock am Früstückstisch sitzen, staunen wir nicht schlecht: vor dem hellblauen Himmel ziehen ganz unerwartet rosa Flamingos in V-Formation vorbei. Natürlich wollen wir heute trotz Ruhetag was erleben, aber wir machen es so, dass jeder das tun kann, was er/sie will bzw. haben T und ich (S) schon wieder einen Fixtermin um 14:00. Aber der dient der reinen Regeneration, denn wir besuchen ein echtes, orientalisches Hammam mit Massage. Vorher gehen wir noch alle an den Strand und obwohl das Klima hier äusserst angenehm ist (durch sehr moderate Temperaturen und den herrlicghen Wind) verlässt uns R recht bald (aus Angst vor der Mittagssonne). Aber wie gesagt, heute jeder, wie er mag. er wird schon heimfinden, hoffen wir. Wir zwei Ladys organisieren uns schon mal zwei Sonnenliegen und einen Strohschirm und erkunden die Gegebenheiten am Strand. Er ist sehr sauber, es sind ständig Müllsammler unterwegs. Ich hab mich vorher fast krumm gelacht, als uns am Eingang zum Strand jemand zum Kamelreiten überreden wollte: R´s Erklärungen, warum und wieso das nichts ist für ihn, waren echt köstlich, vor allem in seinem kreativen Englisch

Wir wagen den Sprung in den Atlantik: R nur mit den Füssen, wir zwei ein bisschen später mit vollem Körpereinsatz mitten in die Wellen: es ist herrlich: das Wasser ist glasklar, ein bisschen kühl, aber nicht so eisig wie gedacht. Der Sandstrand fällt flach ab und es sind gar nicht viele Leute im Wasser. Aber drei Muslima wälzen sich in voller Montur in den seichten Salzwasserwellen und haben einen Riesenspass dabei. Ein Fischkutter kommt mit einem Möwenschwarm getarnt in den Hafen. Und die Jungs spielen am Strand in riesigen aufgezeichneten Feldern natürlich: Fussball Leider können wir nicht lange bleiben, wir „müssen“ ja zur Erholung und hoffen, dass wir gut hinfinden. T ist schon ganz gut im Plan lesen und so landen wir nach kurzer Unsicherheit in einer versteckten Gasse im Luxpa für unsere Wellnessbehandlung. Nach leichten Verständigungsschwierigkeiten werden nur wir zwei Damen in den dampfbadartigen, dunklen, kleinen Raum geführt, oredentlich warm abgeschwappt und anschliessend dann mit einer peelingartigen Substanz eingerieben. die wirkt dann einige Zeit ein, während wir der feuchten Wärme ausgesetzt sind und dabei herumalbern und kichern. Wir schauen aus wie zwei nackte Sandmumien. Danach wäscht uns unsere Betreuerin den Schlamm wieder ab, wir nehmen eine ordentliche kalte Dusche und schon geht es über eine alte, ganz steile Holztreppe im Bademantel in den jeweiligen Massageraum. es ist so herrlich entspannend, eine richtige Ganzkörpermassage eben, wörtlich von den haar-bis zu den Zehenspitzen! Dafür verwendet unsere Betreuerin natürlich das heimische, sehr wertvolle Arganöl. Dementspechend sorgfältig muss erst einziehen und deshalb dürfen wir nachruhen (ich penn echt total weg) und danach noch im Bademantel einen Zitronentee und Wasser geniessen. Diese Prozedur war echt nicht ganz billig, aber jeden Dirham wert. T´s Kommentar (sie gähnt übrigens ständig den Rest des Tages : „Ich fühl mich wie ein Wurm, glitschig und ohne Gelenke!“

Und natürlich kann ich auch nicht einfach Ruhe geben an einem freien Tag nach dem Abendesssen Ich muss noch unbedingt den Sonnenuntergang mit allen andren Touristen gemeinsam an der Bastion geniessen (obwohl er im Zimmer genauso sichtbar ist), aber die Stimmung ist echt grandios hier. Ich bin ohme Plan los und hab mich echt gefreut, ohne Probleme hergefunden zu haben. Doch jetzt ist es finster, jeder quartscht mich an; „Bon soir,madame!“ Ich hab zwar keine Angst, aber werde etwas nervös und finde nicht mehr recht zurück. Kurzentschlossen rette ich mich ins nächste Hotel und frage, wo ich bin. Die Antwort beruhigt mich nicht unbedingt: „you are in the galaxy, you are on the earth, you are in africa, you are in marocco...“ aha, dachte ich mir`s doch immerhin entspinnt sich noch ein sehr nettes und angeregtes Gespräch mit Mustafa (ist sein Name) und er gibt mir noch wertvolle Ratschläge und einen Lageplan mit auf den Weg. So hatte ich sogar noch ein bisschen Abenteuer heute

22.6.14 22:39, kommentieren

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Ans Meer

Nachdem uns M wieder pünktlich abgeholt hatte fuhren wir durch die fruchtbare Sous-Ebene erstmal bis Agadir, wo wir das erste mal das Meer sahen. Dort gab es erstmalig etwas, das wir sehr gut kennen, nämlich sehr viel Verkehr und Stau Dann ging es nach Norden, die Küste entlang. Wir sahen viele Bautätigkeiten, ganze Ortschaften wurden neu an die Küste gepflastert, aber dann auch wieder sehr einsame, steinige, steile und wilde Abschnitte, die aber teilweise sehr individuell genutzt wurden und deshalb leider auch ziemlich vermüllt waren. Trotzdem keimte lamgsam der Wunsch auf, auch einer von den unkomplizierten Wildcampern - und Badern zu sein, um endlich in den blauen Wellen des Atlantiks zu versinken. Aber unser nächstes Ziel Essaouiria war noch sehr weit entfernt - ca. 150 km durch Bergland, in dem es nur Arganbäume, die dazugehörigen Ziegenherden und ein paar Dörfer gibt. Leider gibt es in ganz Marokko glaub ich keinen einzigen Tunnel, jedenfalls nicht auf unseren über 1600km und so muss T wieder leiden und bekommt deshalb ihre Medizin, sie ist auch pychisch nicht so ganz auf der Höhe. Die ständigen Abschiede, sobald sie sich an Etwas gewöhnt hat, machen ihr zu schaffen. Ich bewunsere sie sowieso, wie schnell sie sich wo eingewöhnt, zurechtfindet und sogar Kontakte shliesst o.O Und so kommen wir ziemlich mitgenommen in Essaouiria am Atlantik an, und als M uns am Beginn der Medina (Altstadt) aussteigen lässt, bekommen wir mit, dass das auch unser Abschied von ihm ist In zwei Tagen fährt uns jemand anderer zurück nach Marrakech. Ich mochte ihn sehr, unseren fröhlichen und freundlichen Berbersohn der Wüste. Er wusste immer, was grad „dran“ war und ich habe viel von ihm gelernt, vor allem etwas Mut glaub ich und in der richtigen Art und Weise für jemanden da zu sein. Er hat seinen Job gut gemacht uns uns sein Land näher gebracht, wir hatten immer Vetrauen zu ihm und ich fühlte mich sehr sicher. Aber seine Musik werde ich nicht wirklich vermissen Unser luggage-boy rennt mit dem Karren voller Gepäck wieder mal durch verwinkelte Gassen, wir können uns nicht merken, wo er wie abbiegt, sind aber bald in unserem Stadthotel, genau an der Stadtmauer, genau über dem Meer, das gegen eine felsige Landzunge darunter tost. Man hört und riecht es im Foyer des Hotels,obwohl man es noch nicht sehen kann, aber für solche Feinheiten ist T nicht mehr zugänglich. Sie ist komplett fertig, der nächste Nervenzusammenbruch bahnt sich an. Auch R wirkt nicht mehr recht frisch, das einzige, das ihn noch aufrecht erhält ist die Sichtung von Pizza unterwegs - es ist nur die Frage, ob wir die wiederfinden. Denn Poulet au citron (oder überhaupt Hähnchen ...) hängt uns schon sooo zum Hals heraus, vor allem mit Rosinen und Backpflaumen...Nachdem meine beiden jeder eine Runde gepennt haben, machen wir uns auf und geniessen wieder mal etwas europäischeres Essen. Unser Hotel hat im vierten Stock eine herrliche Dachterasse und unser Zimmer geht auch zum Meer hinaus, doch in der Medina ist es eben üblich, dass jeder/ Neue/ Touri angeredet wird und das ist (bes. für T, aber auch für R) sehr anstrengend. Und so kommt es, dass ich, inzwischen auch ziemlich runter mit meinen Neven (nachdem ich immer alle wieder aufbauen muss) alleine unter dem Sternenhimmel auf dem Diwan der Dachterasse liege und vor mich hin sinniere: was man anders oder besser machen hätte können auf dieser Reise. Dass es echt gut tut, mal ein paar Minuten für mich allein zu haben. Dass es aber noch schöner (und romantischer) wäre, jetzt nicht allein zu sein. Kurz gesagt, ich wusste selber nicht, was ich wollte - und dann war er plötzlich bei mir mein Schatz, kuschelte sich zu mir aufs Sofa und wir beschlossen gemeinsam, zukünftige Reisen nur noch mit minsestens 50% stay-time zu planen, um nicht unsere freien Minuten zählen zu müssen. Manchmal können auch gute Dinge einfach zuviel sein. Um T wieder ein bisschen Wind unter den Flügeln zu verschaffen, verspreche ich ihr eine besondere Überraschung für morgen

 

22.6.14 15:17, kommentieren